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Dieses Buch brach in Schweden alle Rekorde: Platz 1 der Bestsellerliste, seit Erscheinen 500.000 verkaufte Exemplare, ausgezeichnet mit den wichtigsten Literaturpreisen des Landes, jubelnde Kritiker, begeisterte Leser.
Niemi, Jahrgang 1959, schildert in "Populärmusik aus Vittula" eine verrückte und wilde Geschichte, die mit Zärtlichkeit die Menschen beschreibt, die an der finnischen Grenze zuhause sind. Familientragik, Sex, Natur, erlebt von zwei pubertierenden Jungs in den 60er Jahren, die in den reißenden Flüssen der Berge den Rock'n'Roll entdecken.
Im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen der Ich-Erzähler Matti und sein schweigsamer Freund Niila. Ort der Handlung ist der äußerste Norden Schwedens, das Tornedal, durch das der Torne-Fluss fließt, der Schweden seit 1809 von Finnland trennt. Geprägt ist diese Region durch das Klima, vor allem aber durch zwei menschliche Faktoren. Zum einen gibt es dort bis heute eine Finnisch sprechende Minderheit, deren spezielles Finnisch, das Tornedal-Finnisch in Schweden mittlerweile als eigenständige Sprache anerkannt ist, zum anderen hat in dieser Region die religiöse Bewegung des Laestadianismus seine Heimstatt. Der Laestadianismus, begründet von Lars Leve Laestadius, zeichnet sich durch extreme Strenge und Lustfeindlichkeit aus, was Niila, der aus einer laestadianischen Familie stammt, ein aufs andere Mal leidvoll erfahren muss. Es ist mit anderen Worten eine äußerst fremde, weit entfernte, fast exotische Welt - und es ist ein Ort, der unvermutete Gefahren in sich birgt und von einer geistigen Enge geprägt ist, der die beiden Kinder schon frühzeitig entfliehen wollen, aus der sie sich fort träumen.
Weit weg von diesem Tornedal befindet sich der Ich-Erzähler zu Beginn der Geschichte. In einem Prolog, der zusammen mit einem Epilog die eigentliche Handlung des Romans als Klammer umgibt, befindet er sich auf einer Wanderung im Himalaja, genauer gesagt in 5.415 Metern Höhe auf dem Thorog La-Pass. Voller Ergriffenheit kniet er dort nieder, um eine gusseiserne Tafel mit dem Namen des Passes zu küssen, und friert unweigerlich mit den Lippen daran fest, was einen Strom von Erinnerungen auslöst, denn im schwedischen Norrland ist fast jedes Kind irgendwann einmal mit einem Körperteil an etwas festgefroren.
Doch neben Hartnäckigkeit zeichnen sich die Leute aus Tornedal auch durch Einfallsreichtum aus. Es gelingt Matti also, in seiner bedrängten Situation einen Becher mit Urin zu füllen, den er sich dann über die Lippen schüttet. So sind sie eben, die Menschen aus seiner Heimat - harte Arbeiter und kauzige Originale, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es denn nötig ist. Und Matti erzählt uns von ihnen: von der Hochzeitsfeier etwa, bei der zwei extrem starrköpfige Familienclans aufeinander treffen, deren Rivalität mit zunehmendem Alkoholkonsum zu extremen Kraftproben führt. Nachdem das kollektive Armdrücken und Fingerhakeln, an dem beide Geschlechter gleichermaßen beteiligt sind, unentschieden endet, begeben sich die Männer in die Sauna, um zu ermitteln, wer es dort am längsten unter fortlaufenden Aufgüssen aushält. Und Matti erinnert sich auch an das Schlüsselereignis in seinen Leben: an die Begegnung mit Elvis. Danach ist für ihn und seinen Freund Niila alles anders. Fortan wird der Rock'n'Roll für beide gleich bedeutend sein mit dem Traum von einem anderen Leben an einem anderen Ort - ein Traum, der sie zur eigenen Band, auf eine kleine Tournee durch das Norrland und schließlich aus der Enge des Tales herausführen wird ... Wie alle großen Humoristen - und Niemis Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite witzig - liegt seinem Humor ein Sinn fürs Tragische, eine stille Melancholie zu Grunde. Die Welt, die er schildert, wird von Extremen geprägt, einem extremen Klima, extremer Religiosität, extremen Alkoholgewohnheiten. Die Stimmung ist deftig - und doch wiederum auch zärtlich, fast wehmütig. So schafft Mikael Niemi in diesem Buch einen fast unmöglichen Spagat: Weinen und Lachen miteinander zu verbinden. Wie Schwedens Kritiker einhellig befanden, hat es in den letzten Jahren kein Buch gegeben, durch das sie tiefer berührt wurden - und bei dem sie gleichzeitig so viel zu lachen hatten.
Mikael Niemi - Populärmusik aus Vittula
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Originaltitel: Populärmusik fran Vittula
Originalverlag: Norstedts
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