Wie alles begann

Chronik: "Plötzlich stand er da"

Es muss irgendwann im Spätsommer 1987 gewesen sein. Plötzlich stand er da in Norstedts damaliger Rezeption in der Tryckerigatan 2 in Riddarholmen, ein hochgeschossener junger Mann in einer unglaublich dreckigen Ledermontur, und er verlangte einen Verleger zu sprechen. Es wurde einer geholt - mein älterer Kollege Thomas von Vegesack, der mit seinem Anzug und seiner Fliege einen wunderbaren Kontrast zu dem unangemeldeten Besucher ausgemacht haben muss - woraufhin der lange Lulatsch aus seiner Motorradtasche einen dünnen Umschlag herausholte, den er wortlos überreichte.

Der junge Mann in dem schmutzigen Motorradanzug war Mikael Niemi, der die ca. 900 Kilometer von Luleå bis Riddarholmen in einem Rutsch gefahren war. Nachdem er das Manuskript zu seinem späteren Debütbuch, der Gedichtsammlung Näsblod under högmässan (Nasenbluten bei der Hochmesse) überreicht hatte, gelang es ihm, den Duschraum der Druckerei im Norstedtshaus aufzusuchen, sich dort den schlimmsten Straßenstaub abzuwaschen, um sich dann wieder aufs Motorrad zu schwingen und die 900 Kilometer zurück nach Luleå zu fahren.

Mikaels Manuskript wurde angenommen und im Frühling 1988 herausgegeben, also war die Motorradfahrt nicht vergebens gewesen. Es kam noch eine Gedichtsammlung, Änglar med mausergevär (Engel mit Mausergewehr) 1989 dazu und ein Versprechen hinsichtlich eines kommenden Romans. Der Roman blieb sehr lange Zeit nur ein Versprechen. Zehn Jahre lang bestand der Kontakt zwischen Mikael und mir in erster Linie aus dem jährlichen Weihnachtsgruß, bei dem ich höflich, aber hartnäckig bezüglich des versprochenen Romanmanuskripts nachfragte, worauf mir Mikael zu Neujahr regelmäßig mit der ausweichenden Phrase antwortete, er "bekomme es nicht so richtig hin".

Doch ebenso unerwartet und unangekündigt wie beim ersten Mal lag im Herbst 1999 plötzlich ein Umschlag auf meinem Schreibtisch, dieses Mal aber mit der Post befördert und nicht so dünn wie der frühere. Es zeigte sich, dass er endlich das Romanmanuskript enthielt, "eine scharfe Satire aus Tornedalen", laut Begleitbrief. Die Titelseite trug die Überschrift POPULÄRMUSIK AUS VITTULA …

Tja, der Rest ist Geschichte ... Verlagsgeschichte.

Lars Erik Sundberg

Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Mit freundlicher Genehmigung des Norstedts Förlag